Jiddisch Jetzt ist eine Initiative, die sich für die Anerkennung des Jiddischen als Minderheitensprache in Deutschland einsetzt.
Jiddisch entstand vor über tausend Jahren im deutschsprachigen Raum – im Gebiet des heutigen Deutschlands. Hier wurde Jiddisch kontinuierlich gesprochen und ist bis heute Teil der Sprach- und Kulturgeschichte. Und von hier aus breitete es sich nach Osteuropa und in die ganze Welt aus.
Die Shoah forderte das Leben von fünf Millionen jiddischsprachigen Menschen in ganz Europa. Dennoch kehrte Jiddisch nach Deutschland zurück. Überlebende bauten Schulen auf, gründeten Zeitungen, Theater und Radiosendungen und schufen neue Räume für jiddisches Leben.
Diese Enklaven waren nur von kurzer Dauer – doch die heute wachsende jiddische Gemeinschaft ist bestrebt, auf diesen Bemühungen aufzubauen, um sicherzustellen, dass unsere Kultur nicht nur überlebt, sondern auch gedeiht.
Jiddisch ist eine lebendige Sprache. In Deutschland wird sie von engagierten Sprecher*innen, Basisinitiativen, Kulturschaffenden und Wissenschaftler*innen getragen – in religiösen ebenso wie in säkularen Kontexten.
Jiddisch ist weit mehr als ein Zeugnis der Vergangenheit: Es ist die Sprache einer lebendigen Kultur und Träger eines reichen immateriellen Kulturerbes – mit Literatur, Musik, Theater und Kunst, die Menschen unterschiedlichster Herkunft bereichern.
Acht Länder haben Jiddisch bereits im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt. Schon 1996 forderte der Europarat die deutschsprachigen Länder ausdrücklich auf, eine besondere Verantwortung für den Schutz und die Wiederbelebung der jiddischen Sprache und Kultur zu übernehmen.
Wir sind der Überzeugung, dass es nun an der Zeit ist und in Deutschland Jiddisch als Minderheitensprache anerkannt und dauerhaft strukturell gefördert wird – gleichberechtigt neben den sieben bereits anerkannten Minderheitensprachen des Landes.
Das Engagement von Gemeinden, Wissenschaft, Kulturinstitutionen und Ehrenamtlichen ist unverzichtbar. Doch ohne politische Anerkennung und verlässliche Förderung bleibt die Zukunft des Jiddischen von persönlichem Einsatz und unsicheren Projektmitteln abhängig – das reicht nicht aus.
Wir hoffen, dass Deutschland – das Land, in dem Jiddisch entstanden ist – die strukturelle Unterstützung für dessen Zukunft bereitstellt.
Jiddisch Jetzt ist überzeugt: Die Zeit ist gekommen, Jiddisch als Minderheitensprache anzuerkennen und zu fördern.